Mit kollaborativen Robotern turbulente Zeiten meistern

Abreißende Lieferketten, Beatmungsgeräte von Autoherstellern, explodierende Preise für Cent-Artikel und knappe Luft- und Seefracht-Kapazitäten – das wäre vor 2020 allenfalls als Endzeit-Film von Roland Emmerich durchgegangen. Was die Corona-Pandemie einmal mehr lehrt: Flexibilität, Skalierbarkeit und Nähe zum Kunden sind wertvolle Wettbewerbsvorteile. Um sie auf- und auszubauen, sind Cobots ideal.

Kollaborative Automatisierung

Früher war der Einsatz von Robotern vornehmlich für Arbeitsschritte sinnvoll, die sich über einen längeren Zeitraum unwesentlich veränderten – Schweißvorgänge in der Automobilindustrie oder die Maschinenbeschickung in der Zerspanung zum Beispiel.

Kleine und mittelgroße Unternehmen produzieren hingegen meistens eine Vielzahl an Produkten in kleinen Serien und vielen Varianten. Sie benötigen dafür einen vielseitig einsetzbaren Roboter, der sich intuitiv bedienen und schnell umrüsten lässt.

Für solch ein Einsatzszenario wurden Cobots entwickelt. Sie haben meist humane Dimensionen und sind leicht zu transportieren. YuMi von ABB gibt es sogar mit zwei Armen, sodass er ein wenig an den Oberkörper eines Erwachsenen erinnert.

Die kollaborative Eigenschaft eines Cobots bedeutet nicht weniger, als dass er bei vielen Anwendungen mit Menschen Hand in Hand arbeiten kann. Er lässt sich einfach zwischen zwei andere Montageplätze stellen. Seine Arme sind gepolstert und ohne Quetsch- und Klemmstellen gestaltet. Kommt ihm ein Mensch zu nahe oder stößt er gegen irgendetwas, unterbricht er seine Bewegung. Somit ist er ein sehr umsichtiger und ungefährlicher Kollege.

Duldsam, ausdauernd und gelehrig

Fachkräfte, die um ihren Wert wissen, bevorzugen anspruchsvollere und höherwertige Tätigkeiten. Daher empfiehlt es sich, besonders unbeliebte Tätigkeiten an Cobots zu vergeben. Cobots verrichten sicher und zuverlässig monotone Arbeitsschritte.

Einen Cobot von einem Produkt auf ein anderes, bereits programmiertes Produkt umzustellen, ist oft in zehn Minuten erledigt. Auch der Einstieg in die Cobot-Programmierung ist mit SPS-Vorkenntnissen mehr eine Sache von Stunden als von Wochen.

Für alle Zeiten

Nicht erst durch das Coronavirus sind die Zeiten für die meisten fertigenden Betriebe unruhig. Wer seine Produkte auf globalen Märkten verkauft, ist Kostendruck gewohnt. Cobots und Menschen in der Produktion können ihre jeweiligen Stärken kombinieren und damit Kosten und Durchlaufzeiten senken. Cobots amortisieren sich in der Regel in weniger als einem Jahr.

Nach der Erfahrung mit gerissenen Lieferketten schauen sich viele europäische Unternehmen nach näheren Bezugsquellen um. Dies ist eine Chance für Hersteller, die dank Automatisierung mit einer guten Mischung aus Preis, Qualität und Kundennähe gegen die internationale Konkurrenz antreten können.

Nicht zuletzt legt man sich mit Cobots kaum auf bestimmte Fertigungsschritte fest. Gestern Smartphones verschrauben, heute Atemmasken kleben, morgen Sonnenbrillen etikettieren – ein Cobot geht bei allem mit.